Interview mit Ralf Stapp

Du möchtest Dein eigenes Modeunternehmen gründen? Dann bist Du bestimmt schon mit dem Thema der Finanzierung in Berührung bekommen. Doch welche Möglichkeiten haben Gründerinnen? Ist es schwieriger geworden, einen Kredit zu bekommen? Und welche Vorraussetzungen muss man dafür erfüllen? Über all dies habe ich ausführlich mit Ralf Stapp, Geschäftsführer der Bremer Aufbaubank (kurz: BAB) gesprochen. Ich verspreche Dir: Es lohnt sich sehr, diesen Beitrag bis zum Ende zu lesen. Los geiht dat!

Blog Interview Stapp
Moin Herr Stapp, schön, dass Sie hier sind. Vielleicht mögen Sie sich einfach selber kurz vorstellen?

Moin auch von meiner Seite und vielen Dank für die Einladung. Wir sind als Bremer Aufbaubank die Förderbank für Bremen und Bremerhaven. Ich verantworte dort als Geschäftsführer den Marktbereich, den Kundenbereich. Da geht es darum, die Möglichkeiten und Potenziale einer Förderbank mit dem Kunden zu erörtern und das Ziel zu verfolgen, das Bestmögliche für das Land Bremen zu erzielen. Nämlich den Standort Bremen zu stärken und auch die Wohnraumsituation zu verbessern, weil wir die Wohnraum- und Wirtschaftsförderung für das Land Bremen verantworten.

Das bedingt sich beides auch ein bisschen, oder?

Tatsächlich gibt es Überlappungen, zudem sind es die beiden Bereiche, die für einen Standort wichtig sind. Es geht nicht nur um das gute Arbeiten, sondern auch um das gute Wohnen – und dabei vor allen Dingen darum, dass ein preisgünstiger Wohnraum vorgehalten wird. Das Thema soziale Wohnraumförderung ist gerade in den heutigen Zeiten ein ganz wichtiges Thema, ebenso die energetische Ertüchtigung bei den Wohnungsmöglichkeiten, bei den Häusern – also auch den Häuslebauer zu erreichen. Das ist das eine wichtige und spannende Thema. Und das andere ist ganz klar die Wirtschaftsförderung, wo es darum geht, Arbeitsplätze zu sichern oder Neue zu schaffen. Und auch über Investitionen den Standort zu stärken. Das sind die Kernaufgaben für uns als Bremer Aufbaubank.

Arbeitet die Bremer Aufbaubank fokussiert mit Bremer Kunden oder gibt es auch eine Zusammenarbeit über die Länder hinweg? Könnte sich zu beispielsweise auch jemand aus Baden-Württemberg bei Ihnen melden?

Es ist natürlich als Förderbank immer das Interesse, das jeweilige Bundesland zu stärken. Jedes Bundesland hat eine eigene Förderbank. Es gibt dann noch die Bundes-Förderbank, die KfW, und es ist immer die Motivation, den Standort durch eine Ansiedlung voranzubringen. Somit kann jedes Unternehmen, jeder Gründer, jeder Gründerin, die plant, eine Betriebsstätte in Bremen zu eröffnen oder den Gründungsort Bremen wählt, uns ansprechen und den Kontakt aufsuchen.

Der Fokus liegt auf Bremen, nichtsdestotrotz sind wir im Netzwerk der Förderbanken aktiv, das heißt wir tauschen uns regelmäßig aus. Und weil jede Förderbank den Fokus auf das eigene Bundesland hat, können wir uns offen austauschen und so sicherstellen, dass gute Erfahrungen anderer Bundesländer auf Bremen übertragen werden können.

Was ist so besonders an dem Standort Bremen? Weshalb lohnt es sich, dort ein Unternehmen zu gründen? Wie stellt sich die aktuelle unternehmerische oder auch Gründer-Landschaft in Bremen dar?

Als BAB haben wir einmal Bremen und Bremerhaven. Bei diesen beiden Standorten gibt es schon Unterschiede. Wir sind ja nicht in einem Flächenland, wo eine große Fläche zu unterstützen ist, sondern wir haben zwei Städte mit unterschiedlichen Möglichkeiten, unterschiedlichen Stärken und unterschiedlichen Schwerpunkten. Das sind die Vorteile, die wir haben. Wir haben kurze Wege in Bremen und auch in Bremerhaven. Das macht sich immer wieder bemerkbar, wenn man in Bremen über den Marktplatz geht. Dort kann man schon mal ein, zwei Aspekte mit Personen, die man dort zufällig trifft, abhandeln. Das ist der Vorteil der Stadt, und das macht sich auch bei den Netzwerken bemerkbar. Dass man sich kennt und dass man versucht, schnell gemeinsam Lösungen zu finden. Und gerade beim Gründungsgeschehen ist es wichtig, einfach alle Möglichkeiten zu berücksichtigen.

Seit 2018 gibt es das Bremer Starthaus, das ist eine Abteilung der Bremer Aufbaubank, und da wird alles rund um das Thema Gründung gebündelt. Das ist die zentrale Anlaufstelle, wo Beratungsaspekte abgedeckt werden, Finanzierungen angeboten werden, Veranstaltungen abgehalten werden und wo es um das Netzwerk geht. Also: Wer kann was gut in Bremen? Das versuchen wir zusammenzuführen und zu unterstützen. Dazu kommen über 1.300 Beratungsgespräche, die wir alleine im Starthaus Bremen haben – jedes Jahr – und über die wir den Gründer, den Interessierten begleiten und ihn dazu bringen, dass er eine erfolgreiche Gründung umsetzt.

Was macht den Standort Bremen stark? Das ist auch die Industrie. Das sind die interessanten Cluster, die wir haben: das Thema Luft- und Raumfahrt, die Automobilbranche mit dem zweitgrößten Werk der Welt von Mercedes Benz. Wir haben aber auch den Food-Bereich, wo wir es über viele Neugründungen schaffen, den Standort weiterhin stark zu halten. Wir kommen aus einer Historie im Land Bremen, wo viele internationale Marken im Food-Bereich verankert waren, die jetzt auch eine Veränderung erfahren, aber abgelöst werden durch neue Gründungen. Auch da gibt es innovative Ideen. Es gibt die Hanse Kitchen, wo Gründungen rund um den Branchen-Bereich Food die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren. Auch diesen Bereich unterstützen wir über das Starthaus Bremen & Bremerhaven.

Somit zusammengefasst: Es ist ein interessanter Standort, weil man sich kennt. Es ist ein Standort der kurzen Wege und wir haben gute Industrien, die eine gute Anbindung ermöglichen, und wir haben eine tolle Netzwerk-Struktur und Förderlandschaft in Bremen, um Gründer zu begleiten. Und wohnen kann man auch ganz gut in Bremen!

Nun sind wir ja gerade in einer Situation, die in den letzten Jahren durchaus ihre Herausforderungen mit sich gebracht hat. Welche Auswirkungen hat die aktuelle marktwirtschaftliche Situation auf die aktuelle Investitionslage? Würden Sie generell sagen, dass es wesentlich schwieriger geworden ist, dass man einen Kredit bekommt, gerade im Bereich Gründungen? Oder ist das genau wie vorher? Braucht man vielleicht doch mehr Sicherheiten? Und welche Faktoren beeinflussen momentan die Kreditvergabe?

Wir haben tatsächlich eine herausfordernde Situation, gerade weil wir so einen Krisen-Cocktail haben. Wir haben nicht nur eine Krise, die es zu bewältigen gilt, sondern es kommen weitere zu, ohne dass die erste Krise bewältigt ist. Begonnen bei der Corona-Pandemie, dann kam das Thema Herausforderung Klimawandel, dann der Ukraine-Krieg, dann die Energiepreiserhöhung, Inflation, Zinsentwicklung, Lieferketten-Probleme… das sind alles Teilaspekte, die dazu führen, dass es erstmal schwierig ist, nach vorne zu schauen. Vor allen Dingen ist es aber auch herausfordernd, sich fokussiert auf auf sein Unternehmen zu konzentrieren, weil die Einflussfaktoren immer weniger transparent sind.

Das macht sie auch bemerkbar in der Lageeinschätzung der Unternehmen. So wurde gerade das KfW-Mittelstandspanel veröffentlicht, wo regelmäßig gefragt wird: Wo sind die Unternehmen gerade, wie sind sie unterwegs? So ist die Geschäftslage noch stärker in der negativen Entwicklung, auch wenn wir aktuell noch Positives im Umfeld haben. So haben wir im September im Vergleich zum Vormonat einen Rückgang bei den Insolvenzzahlen.

Wir sehen aber auch, dass die Einschätzung der Zukunft der Unternehmen eine ähnliche Tieflage gerade erfährt wie bei den beiden Hauptrezessionen nach der Nachkriegszeit. Das ist einmal die Finanzmarktkrise 2008/2009, aber auch die Corona-Pandemie 2020. In dieser tiefsten Lage sind wir jetzt wieder angelangt. Das zeigt auf, welche schwierigen Monate auf uns zukommen.

Das hat natürlich Auswirkungen auf das Investitionsumfeld. Die Unternehmen sind vorsichtiger. Sie sind eher gewillt, Investitionen zu schieben oder ganz sein zu lassen. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle: Wie geht es weiter mit den Energiepreisen? Das ist eigentlich der größte Unsicherheitsfaktor, gerade bei den Unternehmen – die Preisentwicklung im Energiesektor. Die ersten Unternehmen schauen bereits: Gibt es im Ausland größere Sicherheit im Bereich Energiepreisentwicklung? Das hat wiederum Auswirkungen auf das Gründungsgeschehen. Wir haben die ersten Anfragen, bei denen die Beratung dahin geht: „Wie muss ich mich anders aufstellen? Wie muss ich mein Geschäftsmodell anders fokussieren? Wie muss sich das Geschäftsmodell anpassen?“ Aber auch das Thema „Gründung als Nebenerwerb“ spielt eine Rolle. Also vielfältige Änderungen und ein anderer Beratungsbedarf.

Das heißt für uns: Wir müssen uns im Starthaus Bremer & Bremerhaven, aber auch bei der BAB mit unserem Gesamtangebot immer darauf einstellen, wie die aktuelle Situation ist, wie die aktuellen Nachfragen sind und wie wir die Unternehmen oder die Gründungsinteressierten bestmöglich begleiten können. Fakt ist: Es wird ein schwieriges 2023 mit vielen Unsicherheiten.

Hinzu kommt die weitere Leitzinserhöhung, die auch dazu führt, dass es schwieriger wird, bestimmte Finanzierungen umzusetzen. Das Ganze wiederum hat Auswirkungen auf die Finanzierungslage an sich. Wie die Banken damit umgehen? Da gibt es immer zwei Faktoren: Zum einen führt ein erhöhter Zins zu einer gewissen Zurückhaltung bei der Kreditfinanzierung. Zum anderen führt das schwierige Umfeld dazu, dass die Banken eine andere Situation der Unternehmen vorfinden, wenn sie sich Kredite anschauen. Somit muss man schauen: Gibt es eine größere Zurückhaltung seitens der Banken oder ist es gerade jetzt notwendig, die Unternehmen zu unterstützen? Wir werden schauen, wie die Liquiditätsbedarfe der nächsten Monate aussehen.

Man muss es positiv sehen: 2020, als die Corona-Pandemie und die Rezession kamen, gab es viele, die gesagt haben: „Das wird für viele Unternehmen schwierig und kaum zu überstehen.“ Doch wenn man sich die aktuelle Unternehmensbefragung anschaut, dann sind alle noch relativ stabil. Das ist eine positive Sichtweise, die man dem Ganzen abgewinnen kann, nämlich zu sagen: „Die Wirtschaftskraft hat es trotz der Schwierigkeiten geschafft, gut durchzukommen.“ Und somit schauen wir, wie sie mit den aktuellen Krisen umgeht. Viele Unternehmen müssen sich auf jeden Fall neu erfinden, und das ist, glaube ich, die große Herausforderung. Wir dürfen bei allen Krisen aber eines nicht vergessen: Es gibt immer auch Krisengewinner und solche, die positive Dinge mitnehmen können. Und solange diese eine gewisse belastbare Größe darstellen, ist es gut für eine Volkswirtschaft.

Herzlichen Dank für die doch sehr motivierenden Ausführungen. Am Ende einer Rezession steht auch immer ein Wirtschaftswachstum, daher bin ich fest davon überzeugt, dass es auch wieder aufwärts geht. Vielleicht kann man sogar die Krise nutzen, um sich an der Stelle stabiler aufzustellen. In welchen Branchen vermitteln Sie aktuell Kredite? 

Der Food-Bereich ist für uns vor allem im Gründungssektor spannend, weil es darum geht, auch die neuen Gründungen mit ihren innovativen Ideen zu begleiten (die innovativen Ideen sind auch notwendig, um Antworten für die Zukunft zu finden, weil wir auch im Food-Bereich große Herausforderungen haben werden, siehe Klimawandel und die Veränderung in den Lieferketten).

Was die Kredite angeht, so sind wir als als Förderbank in allen Bereichen aktiv. Wir haben keine Branchen-Schwerpunkte, sondern wir müssen immer da schauen, wo wir als Förderbank gefragt und gefordert sind. Kleiner Einschub: In vielen Programmen, gerade bei Krediten, arbeiten wir mit den Hausbanken zusammen. Das heißt: Sie ziehen uns dazu, wenn sie eine Anfrage haben und wir sie unterstützen können.

Da ist eine große Vielfalt festzustellen, da ist Bremen breit aufgestellt, sodass wir immer auch schauen, welche Themen gerade wichtig sind. Wir haben natürlich die Cluster-Themen in Bremen, die für den Standort besonders relevant sind, wie den Luft- und Raumfahrt-Sektor, wo wir versuchen, entsprechende Programme anzubieten.

Wir als Förderbank arbeiten eng mit den Ressorts im Land Bremen zusammen, unter anderem im Bereich Wohnraumförderung mit der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Oder beim Thema Wirtschaftsförderung mit der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Hierbei geht es darum zu schauen, dass Programmaufträge da sind und welche Bereiche im Land Bremen unterstützt werden müssen.

Gibt es denn auch Schnittpunkte zur Textilindustrie bei Ihrer Institution?

Tatsächlich haben wir auch Gründungen aus dem Textilbereich, die Unterstützung über das Starthaus Bremen erfahren haben. Hierbei geht es auch darum zu schauen: Wie kriegt man den neuen Textiltrend begleitet? Das Thema Nachhaltigkeit ist gerade im Textilbereich ein ganz wichtiger Aspekt, und somit schauen wir, wo Ideen und Geschäftsmodelle sind, die es zu unterstützen gilt. Und da muss man sagen: Kreativität kennt keine Grenzen. Gerne begleiten wir solche Projekte, wenn ein gutes Geschäftsmodell dahinter steckt. Denn es geht natürlich immer darum, diejenigen zu unterstützen, die es auch morgen noch gibt, und auch nur diejenigen dazu zu bringen, zu gründen, wenn damit verbunden ist, dass man dem Team, aber auch letztendlich dem Geschäftsmodell zutraut, dass es eine Zukunft hat.

Ich glaube, da gibt es momentan ein Gap in der Textilindustrie. Auf der einen Seite hat man die alteingesessenen Hersteller, den Mittelstand, der sich, was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, auf jeden Fall noch schwer tut. Klar, viele Unternehmen sind dran, aber ich glaube, Transparenz wird in den wenigsten Unternehmen auch tatsächlich gelebt. Und es ist teilweise extrem schwierig – gerade wenn man mit Beschaffungsagenturen zusammenarbeitet – jeden einzelnen Lieferanten, zum Beispiel in Fernost, unter Kontrolle zu bekommen. Und dann gibt es natürlich Buzzwords, die in der Kommunikation nicht immer reibungslos funktionieren. 
Auf der anderen Seite gibt es im Bereich Gründungen inzwischen sehr viele nachhaltige Konzepte, was total begrüßenswert ist. Ich glaube auch, dass das auf der Fläche beim Einzelhändler einfach verlangt wird. Dass dieser sagt: „Ich möchte die Unternehmen auf meiner Fläche sehen, weil die Kunden immer mehr danach fragen: ,Wo ist das gefertigt? Ist das wirklich nachhaltig?’“ Insofern ist es schön zu hören, dass das Thema auch von Ihrer Seite aus so gut unterstützt wird.
An dieser Stelle der Sprung zu einem anderen Thema. Welche Investitionsmöglichkeiten oder auch Kreditmöglichkeiten hat man als Gründer? Und ist der Kreditvergabe-Prozess ein anderer, wenn man bereits ein etabliertes Unternehmen hat?

Eine Gründung ist auch dadurch gekennzeichnet, dass gerade die Anfänge mit einem höheren Risiko verbunden sind. Sei es, dass noch keine Umsätze generiert worden sind oder die Gewinnzone noch nicht da ist. Und somit ist es schon mal klassisch anders aufgestellt als ein etabliertes Unternehmen. Es gibt noch keine Unternehmenshistorie, anhand derer man sehen kann, wie die Entwicklung einzustufen ist.

Daraus ergibt sich, dass man je nach Unternehmensphase unterschiedliche Instrumente braucht. Gerade am Anfang, wenn ein Unternehmen neu gegründet wird, braucht man eher Risikokapital. Da hat das Thema Eigenkapital-Unterstützung eine andere Bedeutung als wenn ein Unternehmen im Wachstum oder in der Stabilisierung ist. Somit halten wir alles vor.

Wir haben über die BBM, die BAB-eigene Beteiligungsgesellschaft die Möglichkeit, Beteiligungen auszugeben – stille Beteiligungen oder offene Beteiligungen. Und wir haben dadurch, dass das Starthaus Teil der Bank ist, auch die Möglichkeit, Kredite zu vergeben, zum Beispiel Mikrokredite. Zudem gibt es Programme, wo wir Zuschüsse geben, immer auch im Auftrag des Landes Bremen. Dabei werden Gelder vergeben, die nicht rückzahlbar sind. Das ist natürlich etwas, das ein gewisses Risiko auffangen kann.

Kredite werden immer auch so vergeben, dass man schaut, dass das Geld auch wieder zurückfließt, dass die Kreditwürdigkeit für diesen Kunden gegeben ist. Und somit es geht es gar nicht darum zu sagen: Gibt es andere Kriterien? Sondern eher: Was kann das Unternehmen an Zahlen, an Historien, aber auch an Ausblick und Planungen liefern, um eine Einschätzung vornehmen zu können? Und das ist etwas, das besonders ist für uns als Förderbank, nämlich dass wir den bunten Blumenstrauß an Möglichkeiten haben: Beteiligungen, Zuschüsse und Kredite.

Zum Thema Beteiligung: Ist es klassisches Venture Capital? Und gibt es seitens der Menge der Beteiligungen irgendwelche Beschränkungen, auch von öffentlicher Seite vielleicht?

Wir haben im Bereich Beteiligung unterschiedliche Programme. Wir brauchen bei der BBM selber Kapital, das wir rausgeben können und das idealerweise wieder zurückgezahlt wird, also ein Exit damit verbunden ist. Da sind stille Beteiligungen anders in der Rückzahlungsmodalität als offene Beteiligungen. Und somit lautet die Frage: Welches Kapital wird von unserer Seite genutzt, welches Programm?

Es sind klassische Beteiligungen, die wir rausgeben, das heißt es werden ganz normale Beteiligungsgespräche geführt. Bei der offenen Beteiligung wird ein Unternehmenswert berechnet, der dann die Grundlage für die Beteiligungsherausgabe darstellt, und es gibt einen Beteiligungsmanager oder eine Managerin, der*die das Ganze begleitet, die Gespräche führt und schaut, inwieweit eine Beteiligung möglich ist.

Es gibt dann wiederum einen internen Verteidigungsausschuss, der mit unterschiedlichen Personen besetzt ist, die die Beteiligungsentscheidung treffen. Alles eng abgestimmt im kleinen Kreis mit kurzen Wegen. Es ist nicht so, dass wir bestimmte Branchen nicht nicht begleiten wollen, stattdessen muss auch hier wieder die Zukunftsfähigkeit gegeben sein. Zudem muss immer sichtbar sein, dass der Gesellschafter oder die Gesellschafterin das Projekt aktiv begleiten möchte. Es kann nicht sein, dass der Unternehmer das Risiko komplett auslagert an Dritte! Das Gesamtpaket muss passen.

Wer steht hinter der Beteiligungsgesellschaft? Sind das öffentliche Gelder, Firmengelder oder teilweise auch Privatgelder?

Da schlummert noch viel Potenzial in Bremen, gerade was die gerade genannten Kapitalgeber angeht, um das Bremer Kapital, aber auch andere Investoren zu vereinen, um entsprechende Beteiligungen einzugehen. Bei der BBM handelt es sich um eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der BAB, somit handelt es sich um Geld, das aus der BAB kommt bzw. um einen Teil des Fonds. Es gibt aber auch einen EFRE-Fonds, der mit europäischen Geldern bestückt ist, oder einen Fonds mit KfW-Anteilen. Es ist aber auf jeden Fall immer ein BAB/BBM-Anteil dabei.

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Wenn man ein Textilunternehmen gründet, ist es in der Regel so, dass man die Produkte auch fertigen lassen möchte. Würden Sie sagen, es gibt bei der Kreditvergabe Besonderheiten, wenn man ein herstellendes Unternehmen gründet oder aufbaut?

Das ist genau die Herausforderung: Produziert man selber oder vergibt man das fremd? Wenn man selber produziert, dann sind damit höhere Investitionen verbunden. Und wenn man es fremd vergibt, dann ist damit eine Steuerung der ausgelagerten Produktion verbunden.

Es ist nicht per se so, dass das mit besonderen Schwierigkeiten versehen ist. Letztendlich geht es auch hier darum: Ist das Geschäftsmodell so aufgebaut, dass der Markt für die Produkte da ist? Und das ist die Schwierigkeit, weil die Bekleidungsindustrie letztendlich doch sehr stark auch über den Preis reguliert wird, und es Unternehmen gibt, die zunehmend darauf achten, dass die Wertschöpfungskette, die mit der Produktion verbunden ist, entsprechend nachhaltig ist, und die auch bereit sind, mehr dafür auszugeben.

Und somit stellt sich immer die Frage, auf welches Segment sich der Gründer konzentriert. Über was will er sich abgrenzen? Wie lauten seine Strategien? Wenn er über den Preis geht, ist das eher schwierig als Neugründung. Wenn er über das Geschäftsmodell, über die Besonderheit geht, dann muss man schauen: Ist es etwas, mit dem er sich in der Nische behaupten kann? Oder versucht er mit seiner Besonderheit eine Skalierung zu erzeugen? Dies gilt es, sich bei jedem Geschäftsmodell anzuschauen.

Ich glaube, es ist immer wichtig, dass sich der Gründer damit auseinander gesetzt hat, ob sein Geschäftsmodell auch wirklich zukunftsfähig ist, ganz egal, ob das im nachhaltigen Bereich ist. Und ich glaube auch, dass Gründer im Discount-Segment in der Regel keine Chance haben, weil man ganz andere Budgets braucht, um überhaupt marktfähig zu sein. Zumal ich davon überzeugt bin, dass – wenn man in die langfristige Ferne schaut – da auf jeden Fall noch ein paar andere spannende Marktsegmente auf einen warten. 
Wenn ich ein Gründer bin und auf der Suche nach einem Kredit, wie funktioniert dann der Prozess, wenn ich auf Sie zukomme und Kapital benötige? Sie haben eben vom Bremer Starthaus gesprochen, das könnte also für mich eine erste Anlaufstelle sein, wenn ich aus Bremen komme. Wie geht es dann weiter?

Es gibt das klassische Einfallstor über www.starthaus-bremen.de Das ist die Möglichkeit, uns anzuschreiben oder eine E-Mail zu schicken und letztendlich im Gespräch sein Anliegen vorzutragen. Wir haben Starthelferinnen und Starthelfer im Starthaus, die genau solche Anfragen aufnehmen und dann auch schauen: Wie könnte eine Lösung sein? Wie ist der Bedarf? Wo steht das Unternehmen? Wo steht die Person, die das Anliegen hat? Und dann muss man schauen: Ist es etwas, wo es geht, jemanden positiv zu begleiten, oder sagt man schon, das ist eher schwierig? Das Abraten von Themen hat man dann auch auf der Agenda hat.

Wir gehen jetzt von einem positiven Umstand aus. Da ist also jemand, der eine gute Idee hat, aber das Kapital sucht. Wir haben idealerweise das Netzwerk im Hintergrund und wissen, wer sonst noch da ist. Welche Bank, welche Sparkasse ist noch dafür geeignet, das Gespräch zu suchen? Sodass wir dann auch schauen, welches Instrument passt. Geht es um eine Beteiligung oder einen Kredit? Wer kommt sonst noch in Frage? Was können wir als BAB dazu beitragen? Und somit ist unser Anspruch immer, jemanden so zu begleiten, dass man entweder selber die Antworten auf seine Fragen geben oder zumindest sagen kann, wer noch Antworten beisteuern kann.

Und dann muss ich zu irgendeinem Zeitpunkt auch Unterlagen einreichen. Ist es der klassische Businessplan? Oder ist das ein Pitch? Mit welchen Unterlagen arbeiten Sie?

Wir haben Formate, wo es um den Pitch geht, beispielsweise haben wir viele Veranstaltungen im Jahr, bei denen es nicht nur um das Pitchen an sich geht, sondern auch darum, wie jemand ausgebildet wird, damit er gut pitcht, also auch ein Hinführen. Es gibt aber auch dort ein Pitchevent, bei dem sich das Unternehmen vor möglichen Investoren vorstellt. So sind wir zum Beispiel als Starthaus Bremen auch bei den Business Angels Weser-Ems-Bremen mit dabei. Also auch da ist wieder eine Netzwerkverbindung.

Grundsätzlich ist aber bei uns die klassische Transparenz über einen Businessplan herzustellen, also über die Präsentationsfolien eines Pitches hinaus über Inhalte, Fakten und Planungen aufzuzeigen, wie sich das Unternehmen aufgestellt hat und in die Zukunft blickt, sodass man dann gemeinsam die Zukunftsfähigkeit diskutieren kann.

Wir hatten eben schon einmal kurz darüber gesprochen, dass es bestimmte Situationen gibt, in denen Sie von einem Kredit abraten würden. Zum einen geht es Ihnen um die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Gibt es daneben noch andere Gründe, wo Sie sagen: „Unter diesen Voraussetzungen würde ich oder die Institution von einem Kredit abraten?“

Dazu passt die Frage zu den Krisen gut, weil wir in eine Situation kommen, in der sich Unternehmen – auch etablierte Unternehmen – in einer Phase befinden, wo sie Kapital benötigen, aber vielleicht nicht mehr in der Lage sind, den Kredit zurückzuzahlen, weil ihre Zukunftsaussichten nicht als positiv einzustufen sind. Dann ist es mehr als ein Abraten. Dann muss man sich aus insolvenzrechtlichen Gründen die Zukunftsfähigkeit nachweisen lassen, durch entsprechende Sanierungsgutachten. Und wenn dabei rauskommt, dass die Zukunftsfähigkeit nicht gegeben ist, dass keine positive Fortbestehungsprognose besteht, dann ist es nicht nur rechtlich nicht möglich, Kredite zu geben, sondern auch betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll. Weil man etwas verlängert, was eigentlich nicht verlängerungswürdig ist.

Somit ist es bei Gründern wie folgt: Wenn das Team oder das Geschäftsmodell aus unserer Sicht nicht so aufgestellt ist, dass man dem eine positive Zukunft unterstellt – das gilt auch für Unternehmer, die Kapital benötigen, weil sich ihr Unternehmen negativ entwickelt hat – dann ist damit nicht nur ein Abraten, sondern auch ein negatives Votum verbunden, weil wir sagen: „Wir dürfen und wollen keinen Kredit vergeben.“

Das ist an der Stelle ja auch ein hilfreiches Signal. Am Ende ist es die Verantwortung Ihrer Institution und hilft dem Gesamtmarkt der Volkswirtschaft damit.

Bei der BAB arbeiten über 120 Personen und wir sehen unsere Stärke vor allen Dingen im analogen Bereich, auch wenn wir aktuell digitalisieren über E-Aktie, über Antragsportal, wir also auch dort die notwendigen Antragsmöglichkeiten zukünftig vorhalten werden. Es geht um den Menschen, und der Faktor Mensch führt dazu, dass man sich wirklich mit dem Gegenüber beschäftigt und einen Eindruck gewinnt. Die Kolleginnen und Kollegen der BAB, die die Gespräche führen, nutzen ihr Know-how und ihre Erfahrung, um zu schauen: Ist das jemand, dem man zutraut, entweder das Ruder rumzureißen oder ein Unternehmen groß werden zu lassen?

Ich glaube, der Mensch ist einer, wenn nicht sogar der wichtigste Faktor hinter dem Unternehmen, weil er eine Menge Know-how in dem Unternehmen bündelt und man ihn nicht so einfach austauschen kann. Gibt es noch andere Aspekte, die bei der Vergabe von Krediten eine Rolle spielen?

Wir haben gerade das Thema Nachhaltigkeit gestreift, und das muss man übertragen auf etwas ganz anderes, nämlich das ganze Thema ESG. Das heißt, welche klimaschutzrelevanten Faktoren gilt es zukünftig bei Investitionen zu berücksichtigen? Inwieweit ist es bei der Wirkungskettenbetrachtung überhaupt noch möglich, bestimmte Finanzierungen durchzuführen oder unter welchen Bedingungen können sie durchgeführt werden?

Zukünftig wird es für die Banken immer relevanter, sich mit den Nachhaltigkeitsaspekten einer Finanzierung, einer Investition auseinanderzusetzen. Das heißt nicht nur, dass es politisch sowie aufsichtsrechtlich für die Banken von Bedeutung sein wird, sondern dass darüber hinaus auch geschaut wird: Dürfen bestimmte Kredite zukünftig überhaupt noch vergeben werden? Und falls ja, unter welchen Bedingungen? Wie nachhaltig eine Investition, eine Finanzierung aussieht, wird dann auch bei der Zinsberechnung eine Rolle spielen.

Das heißt, dass die Nachhaltigkeit am Ende nicht nur entscheidend ist, was das Geschäftsmodell betrifft, sondern auch bezüglich der äußeren Rahmenfaktoren, die man aber nur bedingt in den Händen hat, oder?

Als Unternehmen oder als Bank? Als Unternehmen ist es genau der Antritt, zukünftig Investition so zu tätigen und zu planen, dass sie einen klimaschutzrelevanten positiven Aspekt haben. Und als Bank nur die Bereiche zu unterstützen, die das mitbringen. Und das ist schon eine direkte Steuerungsmöglichkeit, um solche übergeordneten Themen umzusetzen.

Somit ist das positiv, aber herausfordernd, weil damit eine Wirkungsmessung verbunden ist. Wie will man tatsächlich herausfinden, welchen Klimaschutzbeitrag eine Maßnahme auslöst? Oder andersherum: Wie schädlich ist diese für das Klima? Das genau zu beziffern ist etwas, was es gilt noch weiter herauszuarbeiten.

Sie sprachen gerade von Hürden oder weiteren Notwendigkeiten. Wir können noch ein Thema kurz streifen: das Thema Sicherheiten. Wie viele belastbare, verwertbare Sicherheiten muss ein Kreditnehmer aufweisen, um einen Kredit zu bekommen? Ich werde keine generelle Aussage treffen bzw. keine Formel benennen können, die besagt, was wann notwendig ist. Ich kann nur nochmal darauf hinweisen, dass es für die Banken darum geht: Wenn man eine gewisse Risikoeinschätzung hat, die dazu führt, dass man denkt, das Geld wird nicht wieder zurückgezahlt, dass man das Vorhaben zumindest so absichert, dass Teilbeträge zur Rückzahlung kommen. Und das wird dadurch erwirkt, dass man darauf besteht, bestimmte Sicherheiten zu haben, sei es bei der Immobilie oder bei den Vorratsbeständen, die eine Absicherung darstellen. Und je mehr Auswirkungen durch die Krisen erkennbar werden, umso mehr wird das Thema relevant für die Unternehmen in Deutschland, die sich darum bemühen, eine Finanzierung zu bekommen.

Wenn ein Kredit nicht in Frage kommt, gibt es dann Finanzierungsalternativen, die Sie aufzählen können? Oder würden Sie sagen, dass es an der Stelle besser wäre, nochmal an dem Geschäftsmodell zu arbeiten?

Man muss erstmal schauen: Was soll finanziert werden? Reden wir über eine Verlustfinanzierung? Das ist immer schwierig, weil die Kredite nur mit zukünftigen Gewinnen zurückgezahlt werden sollen. Somit ist die Frage: Ist dann eher Eigenkapital oder Zuschuss die bessere Finanzierungsform? Bei Zuschüssen müssen die entsprechenden Förderprogramme da sein, sodass man etwas passend zur Richtlinie eines Förderprogramms macht. Beim Eigenkapital muss man schauen, inwieweit es möglich ist, eine Beteiligung dort anzubringen.

Wir haben immer drei Formen: Kredit, Zuschuss und Beteiligung. Bei Verlusten tun wir uns grundsätzlich schwer, weil sie eine Vorstufe einer schwierigen Situation sein können. Es ist immer zukunftsgerichtet, wenn es um Investitionen geht. Man gibt Geld, damit das Unternehmen Kapital hat, um eine Investition zu tätigen und um das Unternehmen größer werden zu lassen – oder stabiler.

Finden Sie, dass Gründer eine Art Bittsteller-Position einnehmen sollten? Oder würden Sie sagen, man begegnet sich da durchaus auf Augenhöhe?

Keine Bittsteller-Position! Es geht darum, den Unternehmer oder die Unternehmerin als selbstbewusste Persönlichkeit kennenzulernen. Unternehmer*innen tragen immer auch eine gewisse Verantwortung, entweder nur für das Unternehmen oder sogar auch für Mitarbeitende. Somit geht es immer darum, eine Persönlichkeit zu haben, der man zutraut, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen. Das Verkaufen des Geschäftsmodells, um einen Kredit zu bekommen, ist auch eine Art Verkaufen. Sie müssen sich positiv dort präsentieren. Somit wäre das Thema Bittsteller nicht zeitgemäß. Zudem wächst gerade eine Generation heran, die da ein besonderes Selbstverständnis hat. Das ist gut, weil es darum geht, Themen mit einer gewissen Überzeugung zu begleiten. Wichtig ist trotzdem, dass man immer in der Lage ist, eine gewisse Selbstreflexion zu haben. Der Blick nach vorne, aber auch in den Rückspiegel und den Innenraum, um zu schauen: Wo kann man nachjustieren? Mit dem Kopf durch die Wand ist auch nicht gut. „Augenhöhe“ trifft es somit ganz gut in der Zusammenfassung. Das heißt, dass man auf Augenhöhe sendet und empfängt – und das bedarf es bei Gründern.

Bei meinen Kundinnen ist Selbstbewusstsein häufiger ein Thema, wo noch ein wenig Nachholbedarf herrscht, jedenfalls bei manchen Frauen. Und deshalb glaube ich, dass es ganz wichtig ist, den Frauen Mut zu machen und zu zeigen, dass man eben nicht als Bittsteller für eine Investition zu einem Unternehmen oder einer Institution wie Ihrer geht, sondern durchaus auf Augenhöhe seine Wünsche, Pläne und Zukunftsperspektiven vortragen darf.
Herzlichen Dank, Herr Stapp, dass Sie sich die Zeit genommen haben und mir Rede und Antwort gestanden haben. Das war sehr aufschlussreich und hilfreich!

Und falls Du mehr darüber wissen möchtest, welche Investitionen für den Aufbau eines nachhaltig erfolgreichen Modeunternehmen erforderlich sind, dann lade Dir gerne die Investitionsübersicht für 0 Euro herunter. Dort wartet auch ein toller Bonus auf Dich, denn ich verrate Dir, wie lange es dauert, bis Du Deine Investitionen erfahrungsgemäß wieder drin hast – und worin Du meiner Meinung besser kein Geld investieren solltest!


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